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"Wie mein täglicher Gottesdienst"

Es gibt Aufgaben, die lassen Architektinnen-Herzen höher schlagen: Die Sanierung der Stadtkirche St. Reinoldi gehört für Susanne Kideys mit Sicherheit dazu. Die Architektin des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund leitet das Projekt seit 2008 – und kann es kaum erwarten, im Frühjahr weiter voranzuschreiten. Im Interview spricht sie über den Zeitplan, besondere Herausforderungen, aber die emotionale Verbindung zu St. Reinoldi.

Was für eine Größenordnung hat die Sanierung einer Kirche wie St. Reinoldi für Sie als Architektin?

Ein solches Projekt hat allein schon aufgrund der Größe oberste Priorität: Es ist etwas Besonderes – durch den Stellenwert der Kirche, den Denkmalschutz und auch aufgrund spezieller Anforderungen. Dazu gehören Steinmetzaufgaben: Wir mussten beispielsweise im letzten Bauabschnitt eine Fiale – also ein Türmchen über einem Baldachin – als Kopie der alten neu aufbauen. 12 zusätzliche Wochen hat uns das gekostet. Das sind außergewöhnliche Aufgaben jenseits der alltäglichen Arbeitsroutine.

Bekommt man ein solches Projekt nur einmal in einem Architektinnen-Leben?

Zu der Zeit, als ich in das Berufsleben eingestiegen bin, kamen Kirchensanierungen noch sehr selten vor, weil die Bauämter der Kirchenkreise solche Maßnahmen in der Regel selbst durchgeführt haben. Heute hingegen vergeben wir einiges an externe Büros. Da man sich im Studium fast ausschließlich mit Neubauten beschäftigt, hätte ich mir zu der Zeit eine Kirchensanierung noch gar nicht vorstellen: können. Nach dem Studium habe ich dann anfangs in einem Architekturbüro und später in einer Wohnungsbaugesellschaft gearbeitet und auch dort viele neue Wohngebäude gebaut. Insofern war der Wechsel zum Kirchenkreis etwas Besonderes – gerade auch mit dem Denkmalschwerpunkt.

"Das ist eine Hausnummer!"

Was macht es mit einem Architektenherz, wenn man an einem Gebäude wie Reinoldi arbeitet?

Man hat einen gewissen Respekt vor dem, was da vor einem steht. Es gab zwei prägende Erfahrungen in den 16 Jahren, die ich mittlerweile beim Kirchenkreis arbeite: Die eine war mein erstes Projekt, die Brackeler Kirche. Dort musste der Innenraum umgestaltet und die Ausmalung restauriert werden  – ein toller Einstieg! Da saß ich in der Kirche und war erstmals mit ganz anderen Gedanken konfrontiert: Wie geht das, wie mache ich das, was kommt da auf mich zu? Die zweite war die Übernahme der Reinoldikirche. Auch dort habe ich mich erst einmal in die Bänke gesetzt. Bei dem Anblick des Kirchenraums musste ich schon schlucken und dachte: Das ist eine Hausnummer! Jeder beobachtet, was man tut, weil es ein besonderes Objekt ist. Das ist ein schönes Gefühl - und eine ganz andere Aufgabe als die Sanierung alter Wohnungen.

Die Reinoldikirche ist ein heiliges Gebäude mit einer Aura – spürt man das als Architektin?

Ich weiß nicht, wie das für Menschen ist, die nicht gläubig sind. Da ich aber sehr bewusst in den Dienst der evangelischen Kirche getreten bin, ist das wie eine Art zweiter Arbeitsinhalt für mich. Solche Sanierungen sind ein wenig wie mein ganz persönlicher, täglicher Gottesdienst.

Einmal jährliche Prüfung

Zu ganz praktischen Fragen: Wird ein Kirchenbau regelmäßig auf seinen baulichen Zustand hin überprüft?

Ja, ich schaue mir die Fassaden einmal jährlich mit einem Fernglas an. Bei der Petri-Kirche haben wir sogar schon einmal einen Quadrokopter eingesetzt, weil der Turm so schwer einsichtig ist. Bei Reinoldi hingegen kann ich mir auf der Aussichtsplattform einen guten Überblick verschaffen.

Was ist in etwa die „normale“ Halbwertzeit für eine Kirche? St. Reinoldi wurde ja nach dem Zweiten WK wieder aufgebaut und hat bis 2009 ohne größere Sanierungen durchgehalten.

Heutzutage geht man von 30 Jahren aus – die man im Regelfall gelassen überschreitet, um dann in die Planung zu gehen. Bei der Fassade der Reinoldikirche waren es nun allerdings nicht ganz 30 Jahre: Sie wurde leider mit einer sogenannten Hydrophobierung versehen. Das ist wie eine Imprägnierung bei einer Wetterschutzjacke – das war damals Stand der Technik. Unglücklicherweise hat sich inzwischen gezeigt, dass dieses Verfahren gerade bei solch weichen Steinen nachteilig ist, weil in der Schutzschicht wesentlich schneller Risse entstehen. Durch die dringt Wasser ein, das aber nicht im gleichen Maße wieder austreten kann, weil über den restlichen Flächen noch der Schutz liegt. Kommt nun noch Frost hinzu, sprengt das gefrierende Wasser die Fassade auf. Für diesen Stein war es also die falsche Entscheidung, sodass wir die Fassadensanierung früher als vorgesehen angehen mussten. Es gibt aber auch positive Beispiele: Das Hauptdach stammt beispielsweise noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Problematischer Steinmix

Die Reinoldi-Kirche ist ja auch im Grunde ein Bau aus mehreren historischen Ebenen: So stammen die ersten Steine aus dem Entstehungsjahr 1230, andere Teile eben aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Was bedeutet das für eine Restaurierung?

Die unterschiedlichen Zeiten, zu denen gearbeitet worden ist, sind nicht so ausschlaggebend. Das macht beim Sandstein Gott sei Dank wenig. Man gibt sich bei der Sanierung aber immer Mühe, Mörtel und Gestein aufeinander einzustellen, um die gleiche Qualität und den gleichen Härtegrad zu erhalten. Wir haben bei der Turmsanierung allerdings einen Steinmix vorgefunden: Unter den Ruhrsandsteinen befand sich unter anderem auch der besonders weiche grüne Soester Sandstein. Offensichtlich wurden bei den unterschiedlichen Sanierungen Sandsteine aus verschiedensten Gruben verwendet. Gerade beim Wiederaufbau hat man vermutlich genommen, was man kriegen konnte. Das wiederum ist problematisch, weil dadurch verschiedene Härtegrade und Qualitäten vorliegen.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Bei dem Turm haben wir eine Geologin hinzugezogen, die Stichproben gemacht und ein Gutachten erstellt hat. Dadurch wissen wir, aus welchen Gruben die Sandsteine kommen. Entsprechend dieser Stellungnahme haben wir im Anschluss gearbeitet.

Zwei weitere Bauphasen

Welche Bauphasen stehen jetzt an?

Geplant sind noch zwei Bauphasen: Zunächst bearbeiten wir die Reste der Fassade an der Apsis mit dem Chorhausdach, das auch neu gedeckt werden soll. Außerdem erstellen wir an der Apsis eine neue Schutzverglasung. Im nächsten Abschnitt nehmen wir uns das Dach über dem Hauptschiff vor inklusive der restlichen Fassadenstücke an den Obergarden und den jeweiligen Fenstern, die schwerpunktmäßig gereinigt werden.

Was sind die ersten Schritte?

Zunächst rüsten wir ein. Dann finden Begehungen statt – mit mir als Projektleitung, der Baufirma, dem Architekten der Landeskirche, dem Architekten der unteren Denkmalsbehörde sowie dem Historiker aus dem westfälischen Amt für Denkmalpflege. Dabei gehen wir alles ab und bewerten den Schadensgrad – entscheiden also zum Beispiel, wo Steine in der Fassade ausgetauscht werden.

Dann ist doch schwierig, jetzt zu sagen wie lange es noch dauern wird, oder?

Nein, die Flächen sind so beschaffen, dass wir gut über das Jahr damit fertig werden können. Da müsste schon etwas sehr Unvorhergesehenes passieren, um das zu verhindern.

Spezialisten sind gefragt

Worauf müssen Sie bei der Auswahl der Handwerker achten?

Wir brauchen zum Beispiel für die Fassadensanierung spezialisierte Firmen: Dabei müssen im Team Steinmetze sein, die in der Kombination Steinmetz / Maler ausgebildet sind. Die meisten Steinmetze fokussieren sich aber auf den Bereich Friedhof und Grabsteine. Nötig ist auch mindestens ein Restaurator im Handwerk, der dezidierte Erfahrungen in der Kirchensanierung vorweisen kann. Es gibt innerhalb Deutschlands zwar mehrere Firmen, die das bieten, aber in erreichbarer Weite haben wir nur genau drei.

Auch für Sie beginnt damit die Schlussphase eines langen Projekts: Was ist St. Reinoldi nach all den Jahren für Sie?

Meins! (lacht) Wenn ich mit meinem Mann zum Shoppen in die Stadt gehe, kriegt der mich nicht an Reinoldi vorbei, ohne, dass ich kurz mit den Augen prüfe, ob alles in Ordnung ist. Ich habe die neuralgischen Punkte ja im Kopf. Das ist mein Baby!


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